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Fahrwerk trifft By-Expressen
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Fahrwerk trifft By-Expressen

2021-02-01

Es gibt zwar kein offizielles Fahrradkurier-Austauschprogramm, aber in der Welt der Kollektive und selbstorganisierten Unternehmen gibt es einige, die wir respektieren und bei denen uns ganz besonders interessiert, wie sie arbeiten.
Als zwei unserer Fahrwerk-Kurier*innen genau zu dem Zeitpunkt in Kopenhagen waren, als By-Expressen während eines besonders arbeitsreichen Monats (inklusive Kopenhagener Fashionweek), Hilfe gebrauchen konnte, nutzten Claire #45 und Fabian #69 die Gelegenheit, drei Wochen lang bei der dänischen Kurierbude zu arbeiten. Hier folgt ein Bericht darüber,  wie es ist, wenn man von den großen Straßen Berlins auf die fast so großen Radwege von Kopenhagen wechselt, geschrieben von Claire #45.Die 'Fahrradutopie'
Kopenhagen ist nicht umsonst als Fahrrad-Hauptstadt der Welt bekannt. Das umfangreich angelegte Fahrradwegenetz, Fahrradbrücken nur für Radfahrer*Innen sowie die Art und Weise, wie Fußgänger*Innen und Autofahrende auf alles mit zwei Rädern achten? Ein wahrgewordener Traum. 
Für Berliner Kurier*Innen, die es gewohnt sind, sich im schnelllebigen Verkehr der Stadt zu bewegen – normalerweise mittendrin und nicht daneben – ist diese Ruhe etwas gewöhnungsbedürftig. Im Podcast ‚Common Ground‘ von September verlieren wir einige Worte über die “Freude”, der Berliner Radwege, und in einem Beitrag im Deutschland Funk Kultur von Anfang 2020 spricht Simon #77 darüber, wie aufregend es ist, mit einem Lastenfahrrad durch Berlin zu zu fahren.Aber nach drei Wochen in Kopenhagen hatten wir uns an die Ruhe und Gelassenheit gut organisierter Radwege gewöhnt. Dafür gab es einige neue Herausforderungen zu bewältigen, darunter die Navigation durch eine unbekannte Stadt, die kürzeren Distanzen (im Gegensatz zu den längeren, manchmal endlosen Straßen Berlins), das Manövrieren durch hunderte Kopenhagener Pendler*Innen in der Rushhour, Linksabbiegen über zwei Ecken und generell das Bewegen als Kurier*in in einer Stadt, die nicht an diese Art Radfahrer*Innen gewöhnt ist. Wir wurden definitiv auf Trab gehalten.Lastenfahrräder: Welche Typen und wozu?
Bei Fahrwerk teilen wir unsere Aufträge auf Fahrräder, Lastenfahrräder und Elektroautos auf. By-Expressen hingegen benutzt für kleinere Jobs ausschließlich normale Fahrräder und Lastenfahrräder für größere Jobs. Das führt zu recht belustigenden Lastenrad-Aufträgen, wenn sich das Paket als etwas größer erweist, als erwartet. Zur Erledigung größerer Aufträge in Kopenhagen, wurden entsprechend mehrere Menschen zu einer Abholung geschickt, welche dann kollektiv erledigt wurden. 
By-Expressen hat den Luxus, in Kopenhagen die beiden Haupthersteller von Lastenfahrrädern buchstäblich um die Ecke zu haben, da sowohl Bullitt als auch Omnium in der Stadt ansässig sind. Jimmi ‚Jumbo‘ Bargisen, der CEO und Erschaffer der Omnium-Welt, ist immer noch ein aktiver Fahrer für By-Expressen. Die Fahrer von By-Expressen sind bei den verschiedenen Fahrradkurier-Meisterschaften, die auf der ganzen Welt stattfinden, immer ganz oben auf den Podesten zu sehen. Man kann sagen, dass sie die Kurierbude sind, die weltweit am meisten mit Omniums in Verbindung gebracht wird. 
Wenn wir einen Blick in die Garage von Fahrwerk werfen, sehen wir im Gegensatz zu By-Expressen einen wahren Mix von Lastenfahrrädern. In der Vergangenheit haben wir vor allem Bullitt Lastenfahrräder verwendet, die für massive Transporte gebaut sind. Sie sind allgemein schwerer, haben aber einen tieferen Schwerpunkt, was es einfacher macht, etwas wirklich gewichtiges wie eine Waschmaschine oder ein anderes Lastenfahrrad zu transportieren.
Wie By-Expressen fahren wir jedoch auch Omnium-Lastenräder – mittlerweile sind wir auf den Straßen zu gleichen Teilen mit Bullitts und Omniums unterwegs.
Außerdem verwenden wir Lastenfahrräder, welche von unserem Freund Seb von 314 Transport Design in Berlin konzipiert und hergestellt worden. In den letzten Jahren hat er begonnen, seine eigenen Lastenfahrräder zu bauen, von denen wir einige nutzen.
Für besonders große Aufträge arbeiten wir mit Carla Cargo Anhängern, einem Unternehmen mit Sitz in Südwestdeutschland, das eine Vielzahl von Lasten-Anhängern herstellt.
Wir bei Fahrwerk überraschen Kunden schon mal damit, wie viel auf ein Lastenfahrrad passen kann, aber wenn eine Lieferung wirklich groß ist oder eine sehr lange Strecke abdeckt, dann bringen wir unsere umweltfreundlichen Elektroautos ins Spiel. In Kopenhagen, wo By-Expressen keine Elektroautos benutzt und nur auf Lastenräder setzt, gab es regelmäßig Gelegenheit zu demonstrieren, dass ein Lastenfahrrad belustigend große Dinge transportieren kann.

Kleine Stadt vs. große Stadt
Kopenhagen ist eine kleine Stadt – eine wirklich kleine Stadt – und die Straßen überraschten uns durch ihre Verwobenheit, vor allem im Stadtzentrum. Dort stellte ein Labyrinth gewundener Einbahnstraßen eine lustige Herausforderung dar, die wir für schnelle „VIP“-Eilaufträge lernen mussten, zu navigieren.
In Berlin nehmen wir oft Jobs an, die uns quer durch unsere 891,8 km² große Stadt führen. Jeden Tag legen wir somit etwa 100 km zurück. In Kopenhagen waren wir nicht ganz so weit unterwegs, aber manchmal kommt auch dort eine solche Zahl zustande. In Kopenhagen, das ein Zehntel der Größe Berlins hat, durchquert man die Stadt viel öfter. In Berlin bedeutet ein langer Auftrag für Fahrwerk, dass wir bis an die Stadtgrenze oder in das nächste Bundesland liefern. In Kopenhagen fahren die Kuriere von By-Expressen manchmal kilometerweit die Küste hinauf bis zum Ende der Insel Zealand, auf der Kopenhagen liegt.

Zurück in Berlin ist es schön, wieder auf uns allein gestellt zu sein, alles etwas lauter, etwas schneller, ein riesiges Labyrinth von Straßen. Aber zurück auf ihnen fühlen wir uns ein wenig weiser und freuen uns, Zeit bei By-Expressen verbracht zu haben. Wir sind gespannt, wie wir einige der Gedanken zu den leicht unterschiedlichen Arbeits- und Fahrweisen, die wir mit nach Hause gebracht haben, in die Berliner Praxis einfließen lassen können. Die Fashionweek ist in Berlin vielleicht keine ganz so große Sache wie in Kopenhagen, aber wir haben unsere eigenen großen Aufträge, und so meisterten wir den Berliner Herbst “Rush” (die umsatzstärkste Zeit des Jahres) mit neuem Enthusiasmus und einem etwas anderen Blick auf unsere Stadt.